Ob beim Einkauf oder bei der Reisebuchung: Immer stärker nutzen Verbraucher Online-Angebote, denn sie sind bequem und bieten eine enorme Auswahl. Trotz der Vorteile befürchten viele Verbraucher Datenmissbrauch und fordern politisches Handeln. Dabei können schon Anbieter und Nutzer selbst einen wichtigen Beitrag zum Verbraucherschutz leisten.

Die Digitalisierung ist nicht zu stoppen – die Zahlen sprechen für sich: In den letzten fünf Jahren ist der Onlinehandel um 82 Prozent gestiegen, was knapp ein Zehntel des gesamten deutschen Einzelhandels ausmacht (IFH, 2014). Diese Entwicklung liegt zu einem großen Teil darin begründet, dass sie den Verbrauchern mehr Flexibilität ermöglicht und zudem die Produktauswahl deutlich erhöht. So können wir heute zu jeder Tageszeit Waren aus aller Welt bestellen. Kein Wunder, dass ein Großteil der Deutschen das Internet als einen positiven Teil ihres Lebens sieht, wie eine Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands ergab (vzbv, 2014).

Sorge um Datenmissbrauch steigt stetig

Je mehr Lebensbereiche die Digitalisierung erreicht, desto größer werden jedoch die Sorgen von Verbrauchern und viele fordern, dass die Politik stärker eingreift. Die gibt ihr Bestes, am Ball zu bleiben, doch die digitale Welt ist schnelllebig und die Anbieter haben einen erheblichen Informationsvorsprung, der nicht nur zu ihrem Vorteil ist. Misstrauen und die Angst der Nutzer vor Fehlinformation und besonders vor Datenmissbrauch nehmen unaufhörlich zu. Um das Vertrauen zu stabilisieren, wenden Unternehmen daher verschiedene Strategien an. Eine Möglichkeit ist es, Nähe zu suggerieren, beispielsweise durch persönliche Signaturen unter E-Mails oder Fotos von Ansprechpartnern auf der Homepage. Haben die Nutzer ein konkretes Bild von einer Kontaktperson, kann das Misstrauen in den anonymen Dienstleister sinken.

Aber nicht nur die Distanz zum Anbieter stellt für Verbraucher ein Problem dar. Besonders die AGBs bereiten vielen Menschen Schwierigkeiten. Laut vzbv (2014) halten 72 Prozent der Befragten AGBs für zu komplex und die meisten lesen sie erst gar nicht. Auch hier können Unternehmen ihren Kunden entgegenkommen, indem sie auf eine möglichst simple Darstellung ihrer Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien achten. Kurze Formulierungen, die am Durchschnittsverbraucher orientiert sind, und eine Ergänzung durch Grafiken können das Verständnis erheblich erhöhen und werden daher auch von Verbraucherschützern gefordert (SVRV, 2016).

20 Prozent würden ihre Daten gegen eine geringe Bezahlung preisgeben

In erster Linie sind es jedoch die Verbraucher selbst, die die Kontrolle über ihre Daten haben. Dennoch gehen viele Menschen leichtfertig mit ihren persönlichen Informationen um – obwohl sie in Umfragen regelmäßig angeben, besonderen Wert darauf zu legen. So auch in einer Erhebung von Forsa unter mehr als 1.000 Deutschen, in der zwar die meisten erklärten, vorsichtig mit Ihren Daten umzugehen, jedoch 20 Prozent der Befragten diese gegen geringe Bezahlung preisgeben würden (SAS, 2015).

Dieses Phänomen ist unter dem Begriff „Privacy-Paradox“ bekannt und hat verschiedene Ursachen. Eine davon ist die Präferenz für direkten Genuss, denn der Nutzen, den man aus einem Dienst zieht, entfaltet sich sofort, wohingegen sich der Preis dafür, nämlich die Weiterverwendung der privaten Daten, erst verzögert oder nicht sichtbar entfaltet. Auch eine Fehleinschätzung des Risikos bei der Weitergabe von Daten spielt hier eine wichtige Rolle. Zudem wissen viele Nutzer kaum oder gar nicht vom Wert ihrer Daten.

Verbraucher sollten ihr Onlineverhalten kritisch hinterfragen

Um dieses Bewusstsein zu wecken, kann die Politik verstärkt auf Bildungsprogramme setzen, zum Beispiel schon in den Schulen, denn gerade die jüngste Generation ist besonders aktiv im Netz. Doch vor allem sollten die Verbraucher selbst den Schutz ihrer Daten zur obersten Priorität machen und ihr Onlineverhalten kritisch beobachten. Nur so können staatlich vorgegebene Richtlinien und Transparenz auf Anbieterseite ihre volle Wirkung entfalten.

Souveräne Nutzer leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Datenschutz und stehen ebenso in der Pflicht wie Politik und Unternehmen, wenn es um den Verbraucherschutz in der digitalen Welt geht.

Quellen:

IFH – Institut für Handelsforschung, 2014, IFH-Studie: Online-Handel knackt die 40-Milliarden-Grenze – weiterhin zweistelliges Umsatzwachstum, Pressemitteilung vom 23.9.2014 [14.9.2015]

SAS, 2015, Data Monitor 2015, Heidelberg

SVRV – Sachverständigenrat für Verbraucherfragen, 2016, Digitale Welt und Handel, Berlin

vzbv – Verbraucherzentrale Bundesverband, 2014, Digitalisierung des Verbraucheralltags, Berlin

Weiterführende Literatur:

Enste, Dominik H. / Ewers, Mara / Heldman, Christina / Schneider, Regina, 2016, Verbraucherschutz und Verhaltensökonomik – Zur Psychologie von Vertrauen und Kontrolle, IW -Analysen, Nr. 106, Köln

Ewers, Mara, 2016, Wie Menschen bessere Entscheidungen treffen, iwd, Nr. 26, Köln

Christina Heldman
Christina ist seit Oktober 2014 als Researcher in der IW Akademie tätig, wo sie die Themenschwerpunkte Verhaltensökonomik und Institutionenökonomik bearbeitet. Parallel studiert sie Volkswirtschaftslehre im Master an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Ihr Hauptinteresse ist die Anwendung verhaltensökonomischer Erkenntnisse in der Wirtschaftspolitik.