Die Möglichkeiten, sich weiterzubilden, sind vielfältig – sei es eine Ausbildung oder ein Studium direkt nach der Schule oder eine Weiterbildung zu einem späteren Zeitpunkt beispielsweise in Form eines berufsbegleitenden Studiums. Vor jeder Entscheidung stellt sich die Frage, ob sich eine solche Investition lohnt. Während diese Frage früher schwieriger zu beantworten war, haben sich die Gegebenheiten – vor allem aufgrund der Niedrigzinsphase – mittlerweile geändert.

Verschiedene Studien kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Eine Investition in Bildung lohnt sich. Studien, die beispielsweise Einkommen nach Art des Abschlusses vergleichen, zeigen, dass Berufstätige mit einem Hochschulabschluss im Durchschnitt 2,32 Millionen Euro im Laufe ihres Lebens verdienen. Demgegenüber steht ein Verdienst von 1,08 Millionen Euro für Berufstätige ohne Berufsausbildung – dies entspricht nicht einmal der Hälfte von dem, was Berufstätige mit einem Hochschulabschluss verdienen (Schmillen/Stüber, 2014). Beschäftigte mit Berufsausbildung verdienen im Verlauf ihres Erwerbslebens 1,33 Millionen Euro und damit 242.000 Euro mehr als Menschen ohne Berufsausbildung.

Masterabsolventen verdienen mehr als Bachelorabsolventen

Auch das System der konsekutiven Studiengänge findet Anklang, da die Studienzeiten für die einzelnen Studienabschnitte im Bachelor-Master-System kürzer sind als beim Diplomstudiengang. Da einige Qualifikationen vom Arbeitsmarkt stärker nachgefragt werden als andere, können sich Studierende durch das System der konsekutiven Studiengänge besser an die aktuelle Arbeitsmarktnachfrage anpassen. Bachelorabsolventen können nach drei Jahren Informationen zu ihren Arbeitsmarktchancen einholen und entscheiden, ob sie ihre Hochschulausbildung beenden und den Berufseinstieg wagen oder eine Zusatzinvestition in Form eines Masterstudiums vornehmen. Eine Studie bestätigt, dass der gestufte Ausbildungsweg mit einer höheren Rendite verbunden ist als ein Diplomstudiengang (Anger/Plünnecke/Schmidt, 2010). Und auch beim Einstiegsgehalt zeigt sich eine deutliche Differenz: Masterabsolventen verdienen zu Anfang der Karriere mehr als Bachelorabsolventen (Bispinck et al., 2012) (Abbildung 1). Die Ausgaben für das Studium rentieren sich somit bereits nach kurzer Zeit.

Abbildung 1
Monatliches Einstiegsgehalt nach Abschluss

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Quelle: Bispinck et al., 2012; eigene Berechnungen

Arbeitslosenquote unter Akademikern liegt bei nur 2,5 Prozent

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Beantwortung der Frage, ob sich die Investition in Bildung lohnt, ist das Risiko der Arbeitslosigkeit. Dieses sinkt drastisch mit steigender Bildung. So beträgt die aktuelle Arbeitslosenquote unter Berufstätigen mit Berufsausbildung rund 5 Prozent und unter Akademikern sogar nur 3 Prozent – ohne Berufsabschluss liegt sie bei 20 Prozent (Hausner et al., 2015). Die Entscheidung, in Bildung zu investieren, reduziert die Wahrscheinlichkeit, später einmal arbeitslos zu sein und erhöht die zukünftige Arbeitsplatzsicherheit.

Die Entscheidung zur Weiterbildung ist keine leichte, denn Weiterbildung erfordert Zeit und Geld. Die anfallenden Kosten für die Weiterbildung als auch das Gehalt, auf das der Berufstätige verzichtet, könnten andernfalls zu einem aktuellen Zinssatz bei der Bank angelegt werden. Aufgrund des derzeit niedrigen Zinses wird die Geldanlage bei der Bank jedoch immer unattraktiver, sodass sich die Frage stellt, ob sich eine solche Anlage überhaupt noch lohnt. Auch die Rendite für Bundesanleihen sinkt kontinuierlich (siehe Abbildung). Dementsprechend wäre eine lohnende Alternative, das Geld in die eigene Bildung zu investieren.

Abbildung 2
Entwicklung der Bildungsrenditen und der Bundesanleihenrenditen

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*Prognose für die Entwicklung der Bildungsrendite (IW Akademie)
1) Bildungsrenditen nur für Westdeutschland
Quelle: IW Köln, 2014; Ursprungsdaten: Sozio-oekonomisches Panel; Deutsche Finanzagentur, 2016

Bildungsrendite steigt stetig

Unter dem Begriff Bildungsrendite wird ein Wert errechnet, der aussagt, in welchem Maße sich ein in Weiterbildung investiertes Jahr rentiert – im Verhältnis zu den anfallenden Kosten. So spiegelt sich die zuvor erläuterte Erkenntnis bezüglich der Bedeutung von Bildung auch in der errechneten Bildungsrendite wider, die trotz Bildungsexpansion weiter ansteigt (Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, 2014). Diese Rendite ist seit 1995 stetig gestiegen und lag 2012 bei knapp 10 Prozent. Einfach ausgedrückt: Das entgangene Geld erhalten die Berufstätigen wieder, in Form eines prozentualen Zuwachses am Einkommen. Dagegen lohnen sich Investitionen in Finanzkapital, verglichen mit der Bildungsrendite, kaum. Die derzeitige Rendite für Bundesanleihen liegt bei 0 Prozent (Stand: 7.9.2016).

Die Investition in die eigene Bildung kann also oftmals weitaus lohnender und sicherer sein als eine Finanzinvestition. Was Benjamin Franklin bereits vor 250 Jahren festgestellt hat, gilt demnach auch heute noch: „Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen“.

 

Quellen:

Anger, Christina / Plünnecke, Axel / Schmidt, Jörg, 2010, Bildungsrenditen in Deutschland – Einflussfaktoren, politische Optionen und volkswirtschaftliche Effekte, IW-Studie, Köln

Bispinck, Reinhard / Dribbusch, Heiner / Öz, Fikret / Stoll, Evelyn, 2012, Bachelor, Master und Co. Einstiegsgehälter und Arbeitsbedingungen von jungen Akademikerinnen und Akademikern, Projekt LohnSpiegel.de – Arbeitspapier 10/2012, Düsseldorf

BMBF – Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.), 2015, Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2014, Bonn

Deutsche Finanzagentur (Hrsg.), 2016, Bundesanleihen [29.7.2016]

Hausner, Karl Heinz / Söhnlein, Doris / Weber, Brigitte / Weber, Enzo, 2015, Bessere Chancen mit mehr Bildung, IAB-Kurzbericht, Nr. 11, Nürnberg

IW Köln – Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Hrsg.), 2014, Bildungsrenditen, Argumente zu Unternehmensfragen, Köln

Schmillen, Achim / Stüber, Heiko, 2014, Bildung lohnt sich ein Leben lang, IAB-Kurzbericht, Nr. 1, Nürnberg

Regina Schneider

Regina hat Economics and Psychology an der Universität Panthéon-Sorbonne in Paris studiert und arbeitet seit 2015 als Researcher in der IW Akademie. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Verhaltensökonomik und Wirtschaftspsychologie. Sie interessiert sich vor allem für die psychologischen Aspekte wirtschaftlichen Entscheidens und Handelns.