Im neuen Jahr wollen sich viele Menschen gesundheitsbewusster ernähren. Während gesunde Ernährung keine Frage des Alters oder der Staatsangehörigkeit ist, zeigt sich, dass einkommensstarke Haushalte einen größeren Wert auf gesunde Ernährung legen. Auch die Bundesbürger im Südwesten Deutschlands ernähren sich gesundheitsbewusster als im Rest des Landes.

Jeden Tag reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln, fünf Portionen Obst und Gemüse, ein paar Milchprodukte, und ein bis zwei Mal in der Woche Fisch: So sieht gesundheitsbewusste Ernährung aus, zumindest laut den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V.

Saarländer ernähren sich bundesweit am gesündesten
Anhand einer Umfrage von rund 20.000 Bundesbürgern im Jahr 2014 (Sozio-oekonomisches Panel) habe ich untersucht, welche Bürger sich besonders gesundheitsbewusst ernähren und ob es regionale Unterschiede gibt. Dabei zeigte sich: Im Jahr 2014 ernährten sich die Saarländer gesundheitsbewusster als die Bewohner aller anderen Bundesländer. Rund 59 Prozent der Befragten Saarländer gaben an, dass sie stark oder sehr stark auf gesundheitsbewusste Ernährung achten (Tabelle). Im Bundesschlusslicht Hamburg taten das nur 43 Prozent. Vor zehn Jahren hatten nach eigener Aussage noch 59 Prozent auf eine gesundheitsbewusste Ernährung geachtet. Das Saarland, Baden-Württemberg und Hessen hingegen schnitten auch vor zehn Jahren schon gut ab.

Tabelle
Ranking nach Bundesländern: Anteil der Menschen, die der Aussage „Achte stark oder sehr stark auf gesundheitsbewusste Ernährung“ zustimmen

2014 2004
Saarland 59 % 60 %
Hessen 58 % 53 %
Baden-Württemberg 56 % 55 %
Bremen 54 % 73 %
Bayern 52 % 51 %
Schleswig-Holstein 51 % 55 %
Niedersachen 51 % 49 %
Rheinland-Pfalz 50 % 50 %
Deutschland 50 % 50 %
Berlin 49 % 44 %
Mecklenburg-Vorpommern 48 % 53 %
Nordrhein-Westfalen 46 % 50 %
Brandenburg 44 % 55 %
Sachsen 44 % 55 %
Sachsen-Anhalt 43 % 47 %
Thüringen 43 % 47 %
Hamburg 43 % 59 %

1) Die Befragung beruht auf dem Sozio-oekonomischen Panel, das jährlich rund 20.000 Bundesbürger unter anderem nach ihrem Gesundheitsverhalten befragt.
Eigene Berechnungen auf Basis des SOEP v31 (2014)

Menschen mit höheren Einkommen achten eher auf eine gesunde Ernährung
Während gesunde Ernährung keine Frage des Alters oder der Staatsangehörigkeit ist, zeigt sich, dass einkommensstarke Haushalte einen größeren Wert auf gesunde Ernährung legen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, warum Bundesländer im Osten Deutschlands die unteren Plätze des Rankings belegen. Außerdem weist die Auswertung der Daten darauf hin, dass Frauen sich signifikant gesünder ernähren als Männer, ebenso wie verheiratete, gebildete und politisch interessierte Bürger unabhängig von ihrem Einkommen.

Gesundheitsbewusste Menschen sind auch glücklicher
Viele Menschen wollen sich gesünder ernähren – und gesunde Ernährung geht tatsächlich mit höherer Lebenszufriedenheit einher. Gesunde und gesundheitsbewusste Ernährung, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, möchte auch die Politik fördern. Einen bestimmten Lebensstil sollte sie nicht vorgeben, sie kann aber die Rahmenbedingungen verbessern wie durch Qualitätsstandards bei Kita- und Schulessen. Schließlich ist nicht nur die Hälfte aller Erwachsenen Bundesbürger übergewichtig, sondern schon 15 Prozent der Drei- bis Siebzehnjährigen (Statistisches Bundesamt, 2014; Robert Koch-Institut, 2010).

Unterstützung durch die Verhaltensökonomik: Obstkorb statt Schokoriegel
Verhaltensökonomische Untersuchungen – aus deren Sicht der Mensch kein rationales Wesen ist – zeigen, wie schwer es uns fällt, Gewohnheiten und  Verhalten zu ändern und sich gesünder zu ernähren. Denn aufgrund des Status Quo Bias (Enste et al., 2016) bleiben die Menschen lieber bei dem Verhalten, das sie kennen, als etwas zu verändern. Auch durch die Politik verbesserte Rahmenbedingungen werden nicht ohne weiteres das Verhalten ändern können.

Hilfreiche Tipps für das Jahr 2017, um auf individueller Ebene das gesundheitsbewusste Ernähren zu erleichtern, gibt die Verhaltensökonomik aber auch. Die Schokoladenriegel am Arbeitsplatz sollten durch einen Obstkorb ersetzt werden. Alles, was nicht vorhanden ist, wird auch nicht gegessen. Ein verbesserter Zugang zu gesunden Lebensmitteln durch gezielte Platzierungen in der Kantine und im Supermarkt erhöht auch dessen Verbrauch. Dabei ist es hilfreich, auf Freiwilligkeit und Einfachheit zu achten, um einer möglichen Reaktanz der Bürger und Verbraucher, wie beispielsweise bei dem Vorschlag, einen Veggieday einzuführen, entgegenzuwirken.

Quellen:

Enste, Dominik H. / Ewers, Mara / Heldman, Christina / Schneider, Regina, 2016, Verbraucherschutz und Verhaltensökonomik – Zur Psychologie von Vertrauen und Kontrolle, IW-Analysen Nr. 106, Köln

Robert Koch-Institut, 2010, Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, in: Bundesgesundheitsblatt, Nr. 53, S. 643–652

SOEP – Sozio-oekonomisches Panel, 2014, Daten der Jahre 2004-2014, Version 31, Berlin

Statistisches Bundesamt, 2014, Jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat Übergewicht

Mara Grunewald
Mara hat nach ihrem Diplomstudium in VWL in Bonn ihre Doktorarbeit zu Verhaltensökonomik und Experimenteller Wirtschaftsforschung an der Bonn Graduate School of Economics und auch für einige Monate in New York an der Columbia University geschrieben. Seit 2013 arbeitet sie im Kompetenzfeld Verhaltensökonomik und Wirtschaftsethik im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Analyse verhaltensökonomischer Erkenntnisse für Unternehmen und Staat, der Lebenszufriedenheit und des Vertrauens.