Corporate Social Responsibility (CSR) beschreibt den freiwilligen Beitrag der Unternehmen zu einer nachhaltigen Entwicklung. Dieses Engagement für die Gesellschaft erfolgt über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus und ist idealerweise in das Kerngeschäft der Unternehmen eingebettet. Es nützt somit der Gesellschaft und gleichzeitig dem Unternehmen durch ein besseres Ansehen und die gesellschaftliche Akzeptanz.

Die Entwicklungen im Bereich CSR sind positiv: Einer Umfrage der IW Consult im Auftrag der Bertelsmann Stiftung im Jahr 2016 zufolge engagiert sich bereits ein Großteil der Unternehmen freiwillig (Enste et al., 2016). 87 Prozent der Unternehmen leisten einen Beitrag im Bereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf, 85 Prozent im Bereich Gesundheit, 79 Prozent im Umweltschutz und 83 Prozent im Bereich Soziales.

Moral self-licensing: Die Legitimation für nachlässiges Verhalten
Dass moralisches Verhalten aber auch zu Schaden führen kann, ist bisher weniger bekannt. Unter dem Begriff „Moral self-licensing“ versteht man den Effekt, dass Menschen eher unmoralisch handeln, wenn sie sich davor moralisch verhalten haben, also eine gute Tat vollbracht haben (Merritt et al., 2010). In einer Studie wurde untersucht, ob dies auch auf Unternehmen und ihr CSR-Verhalten, also das Verhalten gegenüber ihren Stakeholdern, zutrifft (Ormiston/Wong, 2013).

Die persönliche Bedeutung von Moralität zählt
Dafür wurde eine Stichprobe von 49 Geschäftsführern der 500 umsatzstärksten Unternehmen gewählt. Eine Regressionsanalyse mit Corporate Social Irresponsibility (CSiR) als abhängige Variable und CSR als unabhängige Variable zeigt, dass Geschäftsführer in Unternehmen, die bereits CSR-Aktivitäten in Bezug auf ihre Stakeholder durchgeführt haben, eher dazu neigen, sich unmoralisch gegenüber diesen zu verhalten. Dieser Effekt ist umso höher, je bedeutungsvoller Moralität für die eigene Identität ist. Wenn Geschäftsführer keinen großen Wert auf Moralität legen, ist dieser Zusammenhang zwischen CSR und CSiR nicht signifikant (Abbildung).

Abbildung
Corporate Social Irresponsibility in Abhängigkeit vom CSR-Engagement und der eigenen Moral


Quelle: Ormiston/Wong, 2013

CSR ist kein Ablasshandel
Es ist vorstellbar, dass gerade Menschen, die Moralität als wichtigen Wert empfinden, sich hinsichtlich ihrer eigenen Moralität überschätzen (Enste/Wildner, 2015). Damit CSR nicht als Vorschuss für nachlässiges Handeln verstanden wird und unmoralisches Verhalten gegenüber Stakeholdern vermieden wird, muss CSR deshalb nachhaltig in der Unternehmenskultur verankert werden.

Quellen:

Enste, Dominik / Wildner, Julia, 2015, Mensch und Moral. Eine individualethische Reflexion, IW-Position, Nr. 70, Köln

Enste, Dominik / Eyerund, Theresa / Schneider, Regina / Schmitz, Edgar / van Baal, Sebastian, 2016, Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen angesichts neuer Herausforderungen und Megatrends, Gütersloh

Merritt, Anna C. / Effron, Daniel A. / Monin, Benoît, 2010, Moral Self-Licensing: When Being Good Frees Us to Be Bad, in: Social and Personality Psychology Compass, Vol. 4, No. 5, S. 344–357

Ormiston, Margarete E. / Wong, Elaine M., 2013, License to Ill: The Effects of Corporate Social Responsibility and CEO Moral Identity on Corporate Social Irresponsibility, in: Personnel Psychology, Vol. 66, Nr. 4, S. 861–893

Regina Schneider
Regina hat Economics and Psychology an der Universität Panthéon-Sorbonne in Paris studiert und arbeitet seit 2015 als Researcher in der IW Akademie. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Verhaltensökonomik und Wirtschaftspsychologie. Sie interessiert sich vor allem für die psychologischen Aspekte wirtschaftlichen Entscheidens und Handelns.