Heute ist Weltverbrauchertag – der Tag, der seit 1983 jährlich auf die Rechte und Belange von Verbrauchern aufmerksam machen soll. In diesem Jahr lautet das Motto „Sicher digital bezahlen“. Zahlreiche Verbraucherzentralen informieren in Veranstaltungen und an Infoständen über Sicherheit und Vertrauen beim sogenannten Mobile Payment. Ein wichtiger Schritt, denn hier hinkt Deutschland hinterher.

„Bargeld braucht nur deine Oma und der Bankräuber“ – Mit diesem Motto wird in Schweden Stimmung für die Abschaffung des Bargeldes und die vollständige Verlagerung von Transaktionen auf digitale Dienste gemacht. Tatsächlich sind die skandinavischen Länder Vorreiter in der Digitalisierung des Bezahlens. Zahlreiche Geschäfte und Restaurants nehmen überhaupt kein Bargeld mehr an, Einzahlungen an Bankautomaten sind in Schweden nicht mehr möglich.

Auch Obdachlose gehen mit dem Trend, indem sie Schilder mit einer sogenannten „Swish“-Nummer umhängen haben. Diese Nummer muss dann lediglich in der zugehörigen App eingegeben werden, wodurch die Spende in Echtzeit auf das Konto überwiesen wird (vgl. Deutschlandfunk, 2016).

Die Vorteile digitaler Bezahlmethoden liegen klar auf der Hand
Sie sind schnell, flexibel, man spart sich den Weg zum Automaten und das Kleingeld im Portemonnaie. Im Handel werden die Kosten für Aufbewahrung und Einzahlung gespart und die Daten der Kunden können für Marketingzwecke genutzt werden. So wundert es nicht, dass laufend neue und modernere Methoden auf den Markt kommen, wie unlängst das sogenannte „Selfie Pay“ von Mastercard, das den Bezahlvorgang noch schneller machen soll. Statt eines Passworts zur Bestätigung einer Transaktion wird diese mit einem Selfie am Smartphone oder einem Fingerabdruck bestätigt. Die App wurde im Oktober 2016 in 12 europäischen Ländern eingeführt (vgl. Mastercard, 2016).

In Deutschland ist Mobile Payment immer noch ein Nischenprodukt
Eine Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte vom Dezember 2016 ergab, dass Menschen aller Altersgruppen dem mobilen Bezahlen sehr kritisch gegenüberstehen. Nur 1 bis 2 Prozent der Befragten haben schon einmal im Geschäft mit ihrem Smartphone bezahlt und nur 4 Prozent interessieren sich überhaupt dafür. Damit bildet Deutschland im internationalen Vergleich das Schlusslicht. Zum Vergleich: In Japan, dem Spitzenreiter, nutzen 49 Prozent der Befragten regelmäßig die Möglichkeiten des Mobile Payments (vgl. Deloitte, 2016).

Eine repräsentative Umfrage der Bundesbank zeigt ebenfalls, dass die Deutschen Barzahlung präferieren. Diese machten im Jahr 2014 einen Anteil von 79,1 Prozent der knapp über 19.000 ausgewerteten Transaktionen und 53,2 Prozent der daraus entstandenen Umsätze aus. Lediglich 5 Transaktionen wurden hingegen mit dem Mobiltelefon bezahlt, sodass deren Anteil an den Umsätzen unter 0,03 Prozent liegt (siehe Abbildung, vgl. Deutsche Bundesbank, 2015). Und so scheitern hierzulande zahlreiche mobile Bezahlsysteme, wie zuletzt „MyWallet“ von der Deutschen Telekom an der zu geringen Nachfrage bei Kunden und der mangelnden Verbreitung im Handel (vgl. Telekom, 2016).

Abbildung
Anteil von Zahlungsinstrumenten in Deutschland nach Umsatz und Transaktionszahl

Quelle: Deutsche Bundesbank, 2015

Verbraucher zweifeln an Mehrwert und haben Sicherheitsbedenken
Als Hauptgrund für das Misstrauen der Deutschen in mobile Bezahlsysteme wird häufig unsere Mentalität genannt. „Die Deutschen lieben das Bargeld“, erklärte auch der Chef der Bundesbank Jens Weidmann (Handelsblatt, 2016). Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Umfragen zeigen, dass der Hauptgrund für die Nichtnutzung von mobilen Bezahlverfahren der unklare Mehrwert, ihre Komplexität und Sicherheitsbedenken sind. Letzteres betrifft besonders die Sorge, dass Daten gestohlen und missbraucht werden (vgl. Deloitte, 2016; Deutsche Bundesbank, 2015).

Datensicherheit und Transparenz müssen gewährleistet sein
Um die Vorteile der technischen Entwicklung von Bezahlsystemen dennoch nutzen zu können, muss diesen Sorgen begegnet werden. Zentral ist, dass Händler die Sicherheit der Daten garantieren und Transparenz darüber wahren, welche Informationen wann gesammelt und wie genutzt werden. Denn nur, wenn die Kunden Vertrauen in Mobile Payment haben, wird es an Akzeptanz gewinnen.

Wichtig ist außerdem, dass die Systeme einfach und verständlich sind und so ihr Mehrwert sichtbar wird. Einheitliche Standards können hier ein sinnvoller Schritt sein (vgl. vzvb, 2016; Bankenverband, 2017). Auch die Händler müssen den Wandel begleiten und ihre Infrastruktur anpassen. Bisher sind nach Einschätzung von Bitkom jedoch nur rund 8 Prozent aller Kassenterminals überhaupt NFC-fähig, also auf eine drahtlose Datenübertragung ausgerichtet (vgl. Bitkom, 2015).

Quellen:

Bankenverband, 2017, Zukunftsbild „Digitales Bezahlen 2020“, Präsentation zum Positionspapier [13.3.2017]

Bitkom, 2015, Jeder Dritte könnte auf Bargeld verzichten, Pressemitteilung vom 10.06.2015 [13.3.2017]

Deloitte, 2016, Zahlen per Smartphone? Warum?, Pressemitteilung vom 19.12.2016 [13.3.2017]

Deutsche Bundesbank, 2015, Zahlungsverhalten in Deutschland 2014, Frankfurt

Deutschlandfunk, 2016, Bargeldloses Bezahlen entzweit die Gesellschaft [13.3.2017]

Handelsblatt, 2016, Bargeld-Symposium „Die Deutschen lieben das Bargeld“ [13.3.2017]

Mastercard, 2016, Mastercard makes fingerprint and ‘selfie’ payment technology a reality, Pressemitteilung vom 04.10.2016 [13.3.2017]

Telekom, 2016, Telekom verabschiedet sich von MyWallet [13.3.2017]

Verbraucherzentrale Bundesverband, 2017, Weltverbrauchertag am 15. März: Sicher digital bezahlen [13.3.2017]

Christina Heldman
Christina ist seit Oktober 2014 als Researcher in der IW Akademie tätig, wo sie die Themenschwerpunkte Verhaltensökonomik und Institutionenökonomik bearbeitet. Parallel studiert sie Volkswirtschaftslehre im Master an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Ihr Hauptinteresse ist die Anwendung verhaltensökonomischer Erkenntnisse in der Wirtschaftspolitik.