Heute, am 20. März, ist der Weltglückstag. Eine freudige Nachricht ist, dass die allgemeine Lebenszufriedenheit in Deutschland in den letzten Jahren regelmäßig angestiegen ist. Die neuesten Daten zeigen, dass die Bürger in Deutschland nun noch einmal ein Stückchen zufriedener mit ihrem Leben sind als im Jahr zuvor. Jedoch sind sie gleichzeitig sehr unzufrieden mit der Gerechtigkeit in Deutschland.

Das Glück messen Sozialwissenschaftler anhand der allgemeinen Lebenszufriedenheit. Diese ist freilich subjektiv. Jährlich werden in Deutschland seit 1984 rund 20.000 Menschen befragt, wie zufrieden sie im Allgemeinen mit ihrem Leben sind.

Im Jahr 2015 gaben 55 Prozent der Deutschen an, dass sie sehr zufrieden mit ihrem Leben sind, 2 Prozent waren nicht zufrieden und die übrigen 43 Prozent gaben eine mittlere Zufriedenheit an (Abbildung). Schauen wir uns im Vergleich zu diesen neuesten Zahlen die Ergebnisse für das Jahr 2012 an (Enste/Ewers, 2014), sehen wir, dass damals auch schon knapp die Hälfte der Befragten eine hohe Zufriedenheit angab, nämlich 49 Prozent. Eine geringe Zufriedenheit gaben 1,7 Prozent an. Es gaben also mehr Menschen eine mittlere Zufriedenheit an (50 Prozent).

Abbildung
Lebenszufriedenheit der Deutschen in den Jahren 2012 und 2015

Quelle: SOEP, 2016

Die Gründe
Der wichtigste Einflussfaktor auf die allgemeine Zufriedenheit ist die Gesundheit. Daran hat sich nichts geändert und es ist schwierig zu überprüfen, ob die Menschen heute deutlich gesünder sind als vor ein paar Jahren.

Harte Fakten wie die Arbeitslosenquote lassen sich einfacher untersuchen. Ob jemand einen Job hat und arbeiten geht oder nicht, lässt sich objektiv messen. Tatsächlich ist die Arbeit, neben der Gesundheit, einer der wichtigsten Faktoren für das persönliche Glück. Menschen, die arbeiten, geben eine viel höhere – also signifikant höhere – Zufriedenheit mit ihrem Leben an. Und die Zahl der Arbeitslosen ist in den letzten Jahren stetig gesunken.

Außerdem weisen sehr zufriedene Menschen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale auf: Sie sind risikofreudiger, vertrauen eher in andere Menschen als unzufriedene Personen und engagieren sich ehrenamtlich.

Zufrieden und unzufrieden zugleich
Die gegenwärtige Zufriedenheit ist also auf einem neuen Rekordhoch und der überwiegende Teil der Bürger in Deutschland ist sehr zufrieden mit sich. Bleibt die Frage, warum so viele Menschen gleichzeitig mit den Umständen in Deutschland unzufrieden sind. So geben 15 Prozent an, mit der Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit in Deutschland unzufrieden zu sein und nur 11 Prozent sind mit der Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit in Deutschland zufrieden (SOEP, 2016).

Dies ist ein sehr interessantes Rätsel. Das eigene Leben wird also als sehr positiv angesehen, aber gleichzeitig ist die Zufriedenheit mit der sozialen Gerechtigkeit, also dem Einhalten von sozialen Normen und Regeln und der Zuverlässigkeit von Institutionen sehr gering. Bedeutet dies, dass die wahrgenommene Gerechtigkeit für das eigene Leben nicht so wichtig ist, wird die Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit unterschätzt oder ist es ein allgemeiner Trend, mit der sozialen Gerechtigkeit unzufrieden zu sein? Die Erklärung hierfür ist offenkundig nicht trivial.

Quellen:

Dominik Enste / Mara Ewers, 2014, Lebenszufriedenheit in Deutschland – Entwicklung und Einflussfaktoren, IW-Trends, Nr. 2, Köln

SOEP– Sozio-ökonomisches Panel, 2016, Daten der Jahre 1984–2015, Version v32, Berlin

Mara Grunewald
Mara hat nach ihrem Diplomstudium in VWL in Bonn ihre Doktorarbeit zu Verhaltensökonomik und Experimenteller Wirtschaftsforschung an der Bonn Graduate School of Economics und auch für einige Monate in New York an der Columbia University geschrieben. Seit 2013 arbeitet sie im Kompetenzfeld Verhaltensökonomik und Wirtschaftsethik im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Analyse verhaltensökonomischer Erkenntnisse für Unternehmen und Staat, der Lebenszufriedenheit und des Vertrauens.