In einem immer komplexer werdenden System ist es heutzutage fast unmöglich, nicht in Teams oder Gruppen Absprachen zu treffen oder Entscheidungen zu fällen. Solche Entscheidungen haben oftmals große Auswirkungen auf die Erreichung der Unternehmensziele und sollten daher nicht unüberlegt getroffen werden. Verhaltensökonomische Einblicke können dabei helfen, den Einfluss von Biases zu vermeiden – wie beispielsweise das unterschiedliche Risikoverhalten von Männern und Frauen.

Frühere Studien zeigen, dass Männer eine höhere Bereitschaft aufweisen, risikoreiche Entscheidungen zu treffen, als Frauen (Gneezy et al., 2003). Interessant wird dieses Phänomen im Hinblick auf den Einfluss von unterschiedlichen Geschlechterzusammensetzungen auf Gruppenentscheidungen. Insbesondere in einem Bereich wie dem der Finanzentscheidungen lässt sich eine steigende Risikobereitschaft proportional zum Anstieg der männlichen Mitglieder in Gruppen beobachten.

Zu diesen Beobachtungen passen Aussagen wie die von Axel Weber, Verwaltungsratsvorsitzender der Schweizer Großbank UBS und früherer Bundesbankpräsident. Er spricht sich für einen höheren Anteil von Frauen im Investmentbanking aus:

Auch weil Frauen längerfristig denken und eher die gesamte Gesellschaft im Blick haben – Axel Weber (Handelsblatt, 2017).

Die Wissenschaft geht einen Schritt weiter. In einem neuen Experiment untersuchten drei Verhaltensökonomen nicht nur individuelle geschlechterabhängige Entscheidungen, sondern vor allem auch, wie sich das Geschlechterverhältnis auf die Risikobereitschaft in Gruppen auswirkt.

Zu diesem Zweck wurden an der Universität Kiel 255 Teilnehmer, darunter eine etwa gleiche Anzahl an Frauen und Männern, in Dreiergruppen aufgeteilt. Diese Dreiergruppen gehörten jeweils einer von vier gleichgroßen Kategorien mit verschiedenen Geschlechterverhältnissen an: reine Männergruppen (im Weiteren bezeichnet als MMM), männerdominierende Gruppen mit nur einer Frau (FMM), frauendominierende Gruppen (FFM) und reine Frauengruppen (FFF).

Alle Gruppen wurden im ersten Schritt dazu angehalten, eine schnelle gemeinschaftliche Entscheidung zu treffen, wobei die verschiedenen Auswahlmöglichkeiten einer Lotterie mit unterschiedlichen monetären Ausgängen sowie unterschiedlichen Risikoanteilen glichen. Im Zuge des zweiten Schrittes mussten die Teilnehmer einzeln einen Fragebogen ausfüllen, um so ihre individuellen Entscheidungspräferenzen zu offenbaren.

Wie stark ist der Einfluss der Geschlechter auf die Dynamik eines Teams?

Die Ergebnisse zeigten alle das gleiche Muster auf: Nicht nur bei individuellen Entscheidungen vermieden Frauen das Risiko, während Männer es eher darauf anlegten, sondern auch in Gruppenentscheidungen war dieses Verhalten wiederzufinden. Reine Frauengruppen verhielten sich sehr risikoavers, wohingegen die Unterzahl an Frauen in männerdominierenden Gruppen sich jedoch scheinbar deren riskantem Entscheidungsverhalten fügten. Je höher also der Anteil von Männern in einem Team war, desto höher fiel die beobachtete Risikobereitschaft dieser Gruppe aus. Die Abbildung stellt dieses unterschiedliche Risikoverhalten der vier Kategorien graphisch dar. Dabei wurde die Risikobereitschaft auf einer Skala von 0 (=sehr risikoavers) bis 5 (=sehr risikofreudig) gemessen.

Abbildung
Durchschnittliche Risikobereitschaft der unterschiedlichen Gruppenkonstellationen


Quelle: de Miranda et al. (2016)

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieses Verhaltensmuster durch kulturelle Werte geprägt ist, welche sich bei Männern stärker im Verhaltensmuster widerspiegeln als bei Frauen. Demnach fühlen sich Männer in Gruppen dazu gedrängt, den von der Gesellschaft erwarteten Ansprüchen an ihr Verhalten gerecht zu werden, und entscheiden daher risikofreudiger. Auf der anderen Seite steht die unausgesprochene Erwartung an Frauen, sich vorsichtig und bedacht zu verhalten.

Was bedeuten diese Erkenntnisse nun für die Zusammensetzung von Teams in Unternehmen?

Vor allem bei wichtigen Entscheidungsgremien in Unternehmen ist es ratsam, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen risikofreudigen und vorsichtig handelnden Mitgliedern zu schaffen. Wo es einer reinen Frauengruppe eventuell an Mut mangelt, neue Ideen auszuprobieren, kann die Waghalsigkeit einer nur aus Männer bestehenden Gruppe weitreichende negative finanzielle Konsequenzen für das Unternehmen haben. Umso wichtiger ist es, ein gutes Maß innovativer und riskanter Entscheidungsbereitschaft mit der zudem notwendigen Bedachtheit zu kombinieren.

Quellen:

de Miranda, Katharina Lima / Detlefsen, Lena / Schmidt, Ulrich, 2016, The Risky Shift Phenomenon in Group Decisions: Does Gender Matter?, Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW)

Gneezy, Uri / Niederle, Muriel / Rustichini, Aldo, 2003, Performance in Competitive Environments: Gender Differences, in: The Quarterly Journal of Economics, 118. Jg., Nr. 3, S. 1049–1074

Handelsblatt, 2017, UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber. „Bei der Frauenförderung liegt der Ball bei den Banken“ [29.5.2017]

Johanna Krauskopf
Johanna ist seit Oktober 2016 als studentische Hilfskraft in der IW Akademie tätig und studiert parallel im Bachelor International Business an der Technischen Hochschule Köln. Die Themenschwerpunkte ihrer Arbeit in der IW Akademie liegen in der Verhaltensökonomik und Institutionenökonomik.