Verantwortungsbewusstsein von Mitarbeitern fördern – aber wie?

In vielen Unternehmen ist der Ruf nach Eigenverantwortung lauter geworden und Führungskräfte wünschen sich mehr Eigeninitiative von ihren Mitarbeitern. Der Arbeitnehmer, der einfach nur die ihm erteilten Aufgaben ausführt, hat in vielen Unternehmen ausgedient. Doch viele Mitarbeiter äußern immer noch kaum Ideen für Veränderung und Verbesserung.

Ein Beispiel dafür sind Mitarbeiter, die Produktverbesserungen oder Verbesserungen im Qualitätsmanagement sehen, diese Informationen aber nicht weitergeben – weil sie nicht zu ihrem Verantwortungsbereich gehören. Aufgrund der gestiegenen Arbeitskomplexität und der stärkeren Vernetzung zwischen Abteilungen muss heute aber jeder Mitarbeiter einzeln Verantwortung übernehmen.

Warum haben Mitarbeiter wenig Verantwortungsbewusstsein?

Mehrere kognitive Verzerrungen können erklären, warum in vielen Unternehmen Mitarbeiter keine oder nur selten Verantwortung übernehmen und nur „Dienst nach Vorschrift“ ausführen.

  • Self-serving bias (selbstwertdienliche Verzerrung): Erfolge werden meistens dem eigenen Handeln und den eigenen Entscheidungen zugeschrieben. Wenn jedoch Probleme auftreten, zeigen Menschen den Reflex, die Schuld bei anderen zu suchen. Damit werden manche Probleme nicht oder zu spät angegangen und die Umstände werden zu wenig verbessert.
  • Verantwortungsdiffusion: Aufgrund der zunehmenden Rollenunsicherheiten in Unternehmen ist die Zuordnung der Verantwortlichkeiten in vielen Bereichen nicht geklärt. Dieser Zustand führt dazu, dass Mitarbeiter sich häufig als verantwortungsvoll wahrnehmen, obwohl sie Verantwortlichkeiten nur delegieren und damit abgeben. Außerdem führt eine sehr strikte Compliance-Kultur dazu, in erster Linie die eigene Haut zu retten, statt Fehler klar anzusprechen. CYA ist die englische Abkürzung dafür („Cover your ass“).
  • Action bias (Handlungsneigung): Die strenge Fokussierung darauf, bestimmte Zielwerte zu erfüllen, stellt die Erreichung von finanziellen Kennzahlen und die dafür notwendigen Tätigkeiten in den Vordergrund. Reflexion ist gefragt, damit Mitarbeiter über die Folgewirkungen ihres Handelns nachdenken, nachhaltige Ziele anstreben und nicht nur die ihnen erteilten Angaben erfüllen.

Verantwortungsbewusstsein fördern

Damit bei den Mitarbeitern ein Verantwortungsbewusstsein entstehen kann, braucht es den passenden Rahmen. Führungskräfte können ihren Mitarbeitern diesen bereitstellen. Dazu gehört beispielsweise eine funktionierende Fehlerkultur, in der Fehler als Lernchance verstanden werden (Abbildung).

Aber auch Vertrauen gegenüber den Mitarbeitern und ausreichend Handlungsräume sind wichtig, damit diese eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können. Schließlich müssen Führungskräfte die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen und die für Eigenverantwortung erforderlichen Kompetenzen der Mitarbeiter fördern.

Abbildung
Wie können Führungskräfte bei ihren Mitarbeitern verantwortliches Denken fördern? Indem sie…

N=100; Leser des Magazins managerSeminare.
Quelle: Jumpertz, 2017


Quelle:

Jumpertz, Sylvia, 2017, Verantwortung übernehmen. Du darfst…, managerSeminare, Nr. 227 [24.4.2017]

Regina Schneider

Regina hat Economics and Psychology an der Universität Panthéon-Sorbonne in Paris studiert und arbeitet seit 2015 als Researcher in der IW Akademie. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Verhaltensökonomik und Wirtschaftspsychologie. Sie interessiert sich vor allem für die psychologischen Aspekte wirtschaftlichen Entscheidens und Handelns.


1 Kommentar

  1. Liebe Frau Regina Schneider,

    ein sehr interessanter so wie wichtiger Artikel zum Thema „Verantwortungsbewusstsein von Mitarbeitern“!

    Für mein Unternehmen bin ich immer wieder auf der Suche nach Anregungen und Ideen den ganzen Betrieb zu motivieren und das Engagement zu steigern. So bin ich auch auf dem IW-Akademie Blog gelandet.

    Ich habe manchmal das Gefühl das viele Unternehmen noch nach veralteten Methoden arbeitet und teilweise nicht bereit sind sich zu modernisieren, dabei ist dies ein unumgänglicher Schritt den jeder Unternehmer irgendwann durchführen muss.

    Immer wieder lobe ich Mitarbeiter in meinem Betrieb wenn Sie Probleme erkennen und beheben. Stehe zu 100% hinter den Entscheidungen und Meinungen und schaue das mein Personal mit Freude zur Arbeit erscheint.

    Dies war leider nicht immer so, am Anfang als ich das Geschäft komplett übernommen habe war ich erst ein mal überfordert – ich meine mit so jungen Jahren Unternehmerin zu werden und ein eigenes Geschäft mit gut 500 Mitarbeitern zu leiten obwohl ich davor immer nur Arbeitnehmerin war bringt viele neue Verantwortungen mit sich.

    Vor 2 Jahren habe ich dann angefangen mich intensiv mit mir und dem Umgang der Mitarbeiter zu beschäftigen, dabei ist mir aufgefallen das viele Problemlösungen schon an der Kommunikation scheitern. Manche wollten nicht groß reden, manche trauten sich nicht und andere dachten – wie im Artikel beschrieben – es gehört halt nicht ihrem Aufgabenbereich.

    Dabei sollte Problemmanagement in jeder Firma ganz groß geschrieben werden. Nun habe ich mich dann natürlich automatisch mit dem Thema Kommunikation intern beschäftigt und habe für mich und mein Unternehmen eine unkomplizierte Lösung gefunden:

    Hier entlang

    Somit ist gewährleistet, dass selbst die Außendienstler jederzeit mit internen Kommunizieren können. Probleme und Anregungen sowie Ideen können über Chats schnell besprochen werden oder man verabredet sich zu einem kurzen Meeting um persönlich miteinander zu sprechen.

    Dies hatte nach gut einem halben Jahr zur Folge, dass selbst meine introvertiertesten Mitarbeiter sich öffnen konnten, neue Wege eingehen konnten und das ganze Unternehmen (vor allem intern) eine 180 Grad wende gemacht hat. Mitarbeiter im Außendienst fühlen sich wieder mehr „dazugehörig“ und ein Zeitersparnis ergibt das ganze auch wenn man nicht ständig über die Flure rennen muss um ein Gespräch von 3 Minuten zu führen.

    Ihre Ratschläge werde ich mir sicherlich für die Zukunft hinter die Ohren schreiben um mein Personal noch mehr zu fördern und das Potenzial zu steigern.

    Liebe Grüße
    Evelyn

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