Personaler und Führungskräfte stehen bei der Vergütung ihrer Mitarbeiter vor der Wahl, wie sie die Arbeitsanreize und variablen Vergütungssysteme für ihre Mitarbeiter gestalten. Dabei müssen sie berücksichtigen, dass die Wahl des Vergütungsmodells auch Auswirkungen auf die Moralität und Ehrlichkeit von Mitarbeitern hat.

Viele Unternehmen setzen ergebnis- und leistungsorientierte Vergütung ein, um ihre Mitarbeiter zu motivieren. Eine frühere Studie hat gezeigt, dass Mitarbeiter bei individueller variabler Vergütung häufiger hinsichtlich ihrer erreichten Ziele lügen als bei Teamboni (Conrads et al., 2017).

In einem neuen Experiment haben Nieken und Dato (2016) nun den Geschlechtereinfluss auf das moralische Verhalten bei der Angabe der erreichten Ziele untersucht. Dabei wurde verglichen, wie sich männliche und weibliche Personen verhalten, wenn sie für ihre individuell erreichten Ziele vergütet werden und wenn ihre variable Vergütung von der Leistung einer anderen Person abhängt. Dabei haben die Wissenschaftler insbesondere untersucht, ob sich Frauen und Männer je nach Vergütungsmodell anders verhalten.

Das Experiment

Für das Experiment sollten 288 Personen (144 weibliche und 144 männliche Teilnehmer) zunächst im Treatment 1 individuell einen Würfel würfeln und die erzielte Augenzahl an den Versuchsleiter berichten, wobei die gewürfelte Zahl einem bestimmten Wert bzw. einer Auszahlung entsprach (1=20 Taler, 2=40 Taler, 3=60 Taler, 4=80 Taler, 5=100 Taler). Eine Augenzahl von 6 führte zu keiner Auszahlung.

Im Treatment 2 wurde jeder Teilnehmer einer anderen Person zufällig zugeordnet und erhielt die Information, dass diejenige Person mit dem höheren erreichten Wert 80 Taler erhält und die andere Person 20 Taler. Eine Augenzahl von 6 führte zu einem Wert von null. Wenn beide Personen denselben erreichten Wert angaben, wurde der Gewinner gelost.

Insgesamt wurde das Experiment 12 Mal mit jeweils 24 Teilnehmern durchgeführt. Um die Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern genauer zu untersuchen, gab es 6 geschlechtergemischte Durchführungen, 3 Durchführungen mit ausschließlich männlichen und 3 Durchführungen mit ausschließlich weiblichen Teilnehmern. 20 Taler entsprachen 1 €. Am Ende des Experiments wurde eines der Treatments zufällig ausgewählt und die Teilnehmer erhielten die Auszahlung, die sie in diesem Treatment erzielt haben.

Die Ergebnisse

Die durchschnittlich angegebene Augenzahl lag in beiden Treatments im Durchschnitt über dem Erwartungswert von 2,5. Im Treatment 1, in dem die erreichte Punktzahl von der individuellen Augenzahl abhing, lag der berichtete Wert im Durchschnitt bei 3,95 und im Treatment 2, in der Wettbewerbssituation, bei 3,80. Die berichteten Punktzahlen unterschieden sich also signifikant von einer Normalverteilung, woraus sich unehrliches Verhalten der Teilnehmer schließen lässt.

Eine genauere Analyse der berichteten Ergebnisse nach Geschlecht zeigt, dass sowohl die angegebenen Spielergebnisse von männlichen als auch von weiblichen Teilnehmern signifikant vom erwarteten Durchschnittswert abwichen und diese sich demzufolge unehrlich verhielten.

Die Abbildung stellt die Ergebnisse grafisch dar: Frauen gaben sowohl im Treatment 1 als auch im Treatment 2 im Durchschnitt eine geringere erreichte Augenzahl an als Männer (3,85 zu 4,06 und 3,54 zu 4,06), wobei die Ergebnisse sich nur in der Wettbewerbssituation signifikant voneinander unterscheiden. Der hohe Durchschnittswert erklärt sich vor allem durch eine häufig angegebene Augenzahl von 5.

Abbildung
Durchschnittlich angegebene Augenzahl nach Treatment und Geschlecht


N=288; 144 weibliche und 144 männliche Teilnehmer.
Quelle: Nieken/Dato, 2016

Das Experiment und seine Ergebnisse zeigen, dass die Geschlechterunterschiede hinsichtlich des moralischen Verhaltens auf unterschiedliche Vergütungssysteme zurückzuführen sind. Weibliche Teilnehmer scheinen sich in der Wettbewerbssituation ehrlicher verhalten zu haben als die männlichen Teilnehmer, die in der Wettbewerbssituation häufiger die maximal zu erreichende Augenzahl angaben als in der individuellen Situation. Sowohl in geschlechtergemischten als auch in rein männlichen Wettbewerbssituationen haben Männer höhere gewürfelte Augenzahlen und erreichte Werte angegeben als Frauen.

Viele  Gründe könnten ursächlich für das unehrliche Verhalten der Teilnehmer sein. Dazu zählt zum einen, dass sich Menschen unmoralischer verhalten, wenn sie annehmen, dass der Wettbewerber sich ebenfalls unehrlich verhält. Zudem kann Lügen mit psychologischen Kosten verbunden sein. Diese psychologischen Kosten könnten bei weiblichen Teilnehmern in der Wettbewerbssituation höher sein, da die sozialen Präferenzen bei Frauen häufig ausgeprägter sind als bei Männern. Schließlich kann das Gewinnen in einer Wettbewerbssituation auch einen nicht-monetären Nutzen für die Teilnehmer darstellen und zu unehrlichem Verhalten führen. In früheren Studien wurde bei Männern ein ausgeprägteres Wettbewerbsverhalten festgestellt als bei Frauen (Gneezy et al., 2003; Dohmen et al., 2011).

Quellen:

Conrads, Julian / Ellenberger, Mischa / Irlenbusch, Bernd / Ohms, Elia Nora / Rilke, Rainer Michael / Walkowitz, Gari, 2017, Team goal incentives and individual lying behavior, in: Die Betriebswirtschaft, 76. Jg., Nr. 1, S. 103–123

Dohmen, Thomas / Falk, Armin, 2011, Performance Pay and Multidimensional Sorting: Productivity, Preferences, and Gender, in: American Economic Review, 101. Jg., Nr. 2, S. 556–590

Gneezy, Uri / Niederle, Muriel / Rustichini, Aldo, 2003, Performance in Competitive Environments: Gender Differences, in: The Quarterly Journal of Economics, 118. Jg., Nr. 3, S. 1049–1074

Nieken, Petra / Dato, Simon, 2016, Compensation and Honesty: Gender Differences in Lying, mimeo, Karlsruhe Institute of Technology

Regina Schneider

Regina hat Economics and Psychology an der Universität Panthéon-Sorbonne in Paris studiert und arbeitet seit 2015 als Researcher in der IW Akademie. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Verhaltensökonomik und Wirtschaftspsychologie. Sie interessiert sich vor allem für die psychologischen Aspekte wirtschaftlichen Entscheidens und Handelns.