Die Herausforderung der Rekrutierung weiblicher Führungskräfte oder Diskussionen über gesetzlich festgelegte Frauenquoten in Unternehmen sind nicht neu. Die Lage in deutschen Unternehmen bessert sich in dieser Hinsicht nur langsam. Die Universität Mannheim zeigt in einer aktuellen Studie, dass insbesondere Frauen in der Finanzbranche immer noch stark unterrepräsentiert sind.

Gemäß einer Statistik der Fondsfrauen GmbH lag 2016 der Anteil weiblicher Fondsmanagerinnen in Deutschland bei 9,3%, der Anteil weiblicher Führungskräfte in der Fondsbranche bei 6,0%. Arbeitgeber der Branche beklagen die geringe Zahl von Bewerbungen weiblicher Kandidaten. Auch die direkte Ansprache weiblicher Bewerber erziele nicht den gewünschten Erfolg.

In einer umfragebasierten Studie der Universität Mannheim (im Auftrag der Fondsfrauen GmbH) wurde nach Gründen für die Schwierigkeit der Rekrutierung weiblicher Nachwuchskräfte gesucht. Befragt wurden mehr als 1.100 Studierende aus wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen, von denen etwa die Hälfte weiblich war. Die Gründe für die geringe Attraktivität der Finanzbranche bei den Studentinnen lassen sich in vier wesentliche Aspekte zusammenfassen:

  1. Wenig familienfreundlich und männerdominiert
  2. Geringe Vereinbarkeit des Jobs mit den eigenen Moralvorstellungen
  3. Zu hohe Wettbewerbsintensität
  4. Andere fachliche Präferenzen und geringere Einschätzung der persönlichen Fähigkeiten

Die befragten Frauen der Studie gaben an, sich im männerdominierten Umfeld der Finanzbranche nicht wohl zu fühlen. Sie bevorzugen noch immer die sogenannten „pink ghettos“ wie Marketing, Personal und das Backoffice. Die weiblichen Studierenden glaubten außerdem weniger als männliche Studierende, dass sie in der Finanzbranche besonders gut seien. Für Männer hingegen ist sie eine der attraktivsten Branchen überhaupt.

Für Männer sind die Anforderungen an persönliche Moralvorstellungen, Integrität und Teamgeist nicht so wichtig wie für Frauen.

Für Fondsmanager ist ein souveränes und selbstsicheres Auftreten elementar. Eine klare Argumentationsweise, Überzeugungskraft, Beharrlichkeit und Ausdauer sind notwendig, um den Kunden von einer Anlageentscheidung überzeugen zu können. Hinzu kommen eine gewisse Risikobereitschaft und die Fähigkeit, mit wiederkehrenden Niederlagen umgehen zu können. Der allgemeinen Geschlechterforschung zufolge scheinen dies allerdings eher männliche Eigenschaften zu sein. Männer und Frauen nehmen im Sozialisationsverlauf verschiedene soziale Rollen an, die sich in ihrem Verhalten wiederspiegeln: Während Männer vielmehr als kontrolliert, selbstsicher und leistungsorientiert beschrieben werden, gelten Frauen tendenziell als mitfühlend, sensibel und sozial orientiert.

In den letzten Jahrzehnten haben viele Rollendefinitionen zwar an Bedeutung verloren, sind aber nichtsdestotrotz noch im täglichen Handeln verankert. Dies zeigt sich auch in den beschriebenen Umfrageergebnissen. Die befragten Frauen legen immer noch großen Wert auf Familienfreundlichkeit, Moral, Unterstützung/Teamwork und unterschätzen oftmals ihre eigenen Fähigkeiten. Das weniger ausgeprägte Selbstbewusstsein früherer weiblicher Generationen, welches durch die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter entstand, führt noch heute zu Unsicherheit und hat zur Folge, dass Frauen sich im Beruf oft nicht viel zutrauen. Leider gibt es nur wenige Vorbilder für erfolgreiche Frauen in der Finanzbranche. Daher trauen sich viele eine Position in den „Old Boys Networks“ nicht zu. Dabei tragen weibliche Kompetenzen zur Unternehmensentwicklung und zum Unternehmenserfolg bei, wie zahlreiche Studien (u.a. McKinsey, Ernst & Young, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) zeigen und somit die Sinnhaftigkeit von Veränderungen unterstreichen. Weibliche Fondsmanager neigen beispielsweise im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen weniger zu stressbasierten Entscheidungen und performanceschädigendem Anlageverhalten.

Daneben kann marktseitig die moralische Orientierung von Frauen Auswirkungen auf das Kundenverhalten haben. Hierzu wies eine aktuelle Studie positive Auswirkungen moralischer Unternehmensführung auf Kaufentscheidungen von Kunden nach (siehe hierzu Blogbeitrag „Warum moralische Fehltritte von Managern durch den Kunden bestraft werden“ / Januar 2018). Auch im B2C-Bereich bringen Frauen offenbar wichtige Kompetenzen in Unternehmen ein, da sie auch als Kunden in vielen Bereichen immer bedeutsamer werden, sei es beispielsweise beim Handel mit Wertpapieren oder beim Autokauf.

Um für Frauen Positionen in der Finanzbrache attraktiver zu machen, ist es hilfreich, sich den Erkenntnissen der Geschlechterforschung zu bedienen.

Für Frauen ist eine Unternehmenskultur notwendig, welche von der reinen Profitmaximierung und dem Wettbewerb abweicht. Durch ein gewandeltes Unternehmensimage sollte transportiert werden, dass Teamgeist, Diversität und die Einhaltung moralischer Standards ebenfalls zentrale Werte in der Branche sind. Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel müssen sich Unternehmen auch für Frauen als attraktiver Arbeitgeber behaupten, denn Vielfalt ist wirkungsvoller als Monokultur – auch in der Finanzbranche.

 

 

Quellen:

Dembowski, Anke, 2017, Weibliche Eigenschaften können positiv zu den Ergebnissen im Fondsmanagement beitragen, http://fondsfrauen.de/weibliche-eigenschaften-koennen-positiv-zu-den-ergebnissen-im-fondsmanagement-beitragen/  [09.02.2018]

Ernst & Young, 2012, Mixed Leadership – Gemischte Führungsteams und ihr Einfluss auf die Unternehmensperformance, http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/ej_Mixed%20Leadership%202012.pdf [12.02.2018]

Gammelin, Cerstin / Schreiber, Meike, 2018, Darum gibt es so wenige Frauen in der Finanzbranche in: Süddeutsche Zeitung, 05.02.2018, S. 17

Lindstädt, Hagen / Wolff, Michael / Fehre, Kerstin, 2011, Frauen in Führungspositionen – Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg, Eine Untersuchung für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend https://www.bmfsfj.de/blob/93882/c676a251ed4c36d34d640a50905cb11e/frauen-in-fuehrunspositionen-langfassung-data.pdf [12.02.2018.]

McKinsey & Company, 2007-2017, Women Matter, https://www.mckinsey.de/publikationen?page=1&pub-suche=women+matter [12.02.2018]

Neuendorff-Bub, Brigitte, 1979, Stereotype und geschlechtstypisches Verhalten, In: Eckert, Roland (Hg.): Geschlechtsrollen und Arbeitsteilung. Mann und Frau in soziologischer Sicht, München, S. 78-96

Rezmer, Anke / Wiebe, Frank, 2018, Arbeiten in Führungspositionen: Finanzbranche ist bei Frauen unbeliebt, http://www.handelsblatt.com/my/finanzen/banken-versicherungen/arbeiten-in-fuehrungspositionen-finanzbranche-ist-bei-frauen-unbeliebt/20873262.html [09.02.2018.]

Universität Mannheim / Fondsfrauen GmbH, 2018, Fearless Girls? Gründe für den geringen Anteil von Frauen in der Finanzindustrie

Winquist, L. A., Mohr, C. D., & Kenny, D. A., 1998, The female positivity effect in the perception of others, in: Journal of Research in Personality, 32(3), S. 370-388

Lena Suling
Lena arbeitet seit 2018 als Referentin in der IW Akademie. Sie studierte im Master Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Management/Marketing an der Universität Duisburg-Essen.