Soziale Netzwerke und ihre Auswirkung auf unser Wohlbefinden

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Die weltweite Kommunikation hat sich verändert. Während wir früher noch face-to-face, per Telefon oder später auch per E-Mail kommuniziert haben, geschieht dies heute online über soziale Netzwerke wie Facebook. Es ist normal geworden, dennoch bleibt die Frage, welche Auswirkungen dies auf unser subjektives Wohlbefinden hat.

Es gibt bereits Studien die herausstellen, dass die Nutzung von Facebook das subjektive Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit der Nutzer mindert. Auf dieser und anderen Plattformen kommunizieren die Nutzer eher positive als negative Ereignisse ihres Lebens. Ob bewusst oder unbewusst, täglich finden soziale Vergleichsprozesse statt, die eng mit dem subjektiven Wohlbefinden der Menschen verbunden sind und die Zufriedenheit hemmen können. Doch wie kommt es dazu?

Eine US-amerikanische Studie untersuchte in diesem Zusammenhang die unterschiedlichen Arten der Facebook-Nutzung und ihren Einfluss auf das affektive Wohlbefinden (momentane Gefühlslage, Emotionen, Stimmungen). Grundsätzlich kann die Form der Facebook-Nutzung in aktiv und passiv unterschieden werden. Aktive Nutzung bezieht sich auf Aktivitäten, die den direkten Austausch mit anderen fördern, d.h. das Posten von Statusupdates, die Kommentierung anderer Beiträge und ähnliches weiteres. Die passive Nutzung schließt lediglich das Konsumieren von Informationen ohne direkten Kontakt mit anderen ein, z.B. das Scrollen durch News-Feeds sowie das Ansehen von Beiträgen.

In der Studie wurden 84 Studenten zunächst in einem Laborexperiment beobachtet. Während ein Teil der Gruppe die Instruktion erhielt, Facebook auf aktive Art zu nutzen, sollten die verbliebenen das Netzwerk passiv nutzen. Noch vor Beginn der zehnminütigen Testphase mussten die Probanden einen Fragebogen zu ihrer aktuellen Gefühlslage, Lebenszufriedenheit und Gefühlen der Einsamkeit beantworten. Diese Fragen wurden sowohl nach dem Experiment als auch am Ende des Tages wiederholt gestellt. Im Ergebnis zeigte sich ein signifikanter Rückgang im affektiven Wohlbefinden der Probanden, die Facebook passiv genutzt hatten.

Abbildung 1: Affektives Wohlbefinden

Quelle: Verduyn et al. (2015)

Durch die beschriebene Studie konnte zwar ein Einfluss auf das affektive Wohlbefinden der Probanden nachgewiesen werden, allerdings nicht auf die Lebenszufriedenheit sowie die Entstehung von Neid. Daher wurde in einer zweiten Untersuchung erneut der Einfluss der Facebook Nutzung auf das Wohlbefinden von 89 Probanden untersucht – dieses Mal in ihrem Alltag. Der Aufbau des Experiments war ähnlich zum vorherigen. Über einen Zeitraum von sechs Tagen erhielten die Probanden jeweils fünf Mal am Tag einem Link zu einem Fragebogen. Die Auswertung ergab, dass passive Facebook Nutzung auch hier die Gefühle negativ beeinflusste und Neid diese Beziehung verstärkt. Ein Einfluss auf die generelle Lebenszufriedenheit konnte allerdings nicht nachgewiesen werden. Auch nicht, dass Facebook je nach Befindlichkeit mehr oder weniger genutzt wird.

Die Studie zeigt, dass die passive Nutzung von Facebook die Gefühle der Nutzer tendenziell negativ beeinflusst und Neid hervorruft. Die direkte soziale Interaktion beeinflusst das Wohlbefinden hingegen nachgewiesen positiv.

Warum nutzen Menschen Facebook, obwohl es ihr Wohlergehen negativ beeinflusst?

Facebook soll das menschliche Bedürfnis nach sozialer Interaktion stillen. In erster Linie sehen Nutzer die Plattform als Möglichkeit, mit Bekannten in Kontakt zu bleiben und über Aktivitäten auf dem Laufenden zu bleiben. Doch daneben finden fortwährend soziale Vergleichsprozesse statt. Menschen nutzen verschiedene Informationen aus ihrer Umwelt, um die eigene Selbstwahrnehmung, Einstellungen und Werte zu bestätigen. Dieser Prozess hat gleichzeitig eine negative Wirkung auf das Wohlbefinden, gleichzeitig aber auch eine motivationale Wirkung zur Veränderung. Das Streben nach sozialer Anerkennung ist evolutionär verankert und zielt auf Dominanz ab, um den Fortbestand zu sichern. Dieses „Rivalitätsgen“ sorgt dafür, dass der Mensch angespornt wird, der beste einer Vergleichsgruppe zu sein. Die passive Facebook Nutzung bedeutet das Aufnehmen von Informationen, die diese Prozesse anstoßen.

Glücklichere Menschen reagieren dabei weniger sensibel auf negative Informationen aus Vergleichen, da sie eher ein gefestigteres Selbstkonzept besitzen. Unglücklichere Menschen dagegen haben eine weniger gefestigte Selbsteinschätzung und versuchen diese durch soziale Vergleiche zu prüfen und vergleichen sich dabei in der Regel häufiger mit erfolgreicheren Menschen. Dadurch können Selbstzweifel und Unzufriedenheit entstehen. Im Rahmen der Theorie der sozialen Vergleichsprozesse kommen Forscher zu dem Schluss: Aufwärtsvergleiche machen manche Menschen unglücklich.

 

Quellen:

Festinger, Leon, 1954, A Theory of Social Comparison Processes, In: Human Relations, Nr. 7, S. 117–140.

Kross, Ethan et al., 2013, Facebook Use Predicts Declines in Subjective Well-Being in Young Adults, ONE 8(8)

Lyubomirsky, Sonja / Ross, Lee, 1997, Hedonic consequences of social comparison: a contrast of happy and unhappy people, in: Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 73, No. 6, S. 1141-57

Verduyn, Philippe et al., 2015, Passive Facebook Usage Undermindes Affective Well-Being: Experimental an Longitudinal Evidence, in: Journal of Experimental Psychology, Vol. 144, No. 2, S. 480-488

Lena Suling
Lena arbeitet seit 2018 als Referentin in der IW Akademie. Sie studierte im Master Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Management/Marketing an der Universität Duisburg-Essen.