Der Traum vom Büro zuhause

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Mobiles Arbeiten wird in vielen Unternehmen bereits ermöglicht. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland aber hinterher. Deswegen will die Bundesregierung einen gesetzlichen Anspruch, ein Recht auf Homeoffice, schaffen. Konkret soll dies bewirken, dass die Dauer und Lage der Arbeitszeit innovativ ausgestaltet werden kann, sowohl zum Interesse des Arbeitgebers als auch des Arbeitnehmers. Die Bundesregierung verspricht sich einen Wandel in der Arbeitswelt. Zum einen möchte sie mehr Flexibilität in der Erwerbsarbeit schaffen und zum anderen den Wünschen der Arbeitnehmer nachkommen. Doch ist ein Gesetz der richtige Weg?

Ein Recht für alle, das eigentlich gar kein Recht für „alle“ ist?

Mobiles Arbeiten kommt nicht für jeden Beruf in jedem Unternehmen in Frage. Auch passt dieses Konzept nicht in jede bestehende Unternehmenskultur. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass einige Unternehmen diese Regulierung als Einschränkung ihrer unternehmerischen Freiheit ansehen. Hinzu kommt, dass durch die Pläne der Bundesregierung eher nur das Recht auf Auskunft gestärkt wird: Die derzeitige Formulierung gibt dem Arbeitgeber die Möglichkeit, Gründe aufzuführen, warum mobiles Arbeiten nicht möglich ist. In diesem Fall würde sich für den Betroffenen nichts ändern.

Im schlimmsten Fall birgt das Gesetz eine weitere Spaltung der Gesellschaft. Auf der einen Seite stehen die, die bereits mobil und innovativ arbeiten können. Ihre Arbeitsweise bleibt unverändert. Auf der anderen Seite sind die, bei denen mobiles Arbeiten nicht möglich ist, beispielsweise in Pflegeberufen. Diese werden durch ein solches Gesetz schlechter gestellt. Der Staat würde den Menschen etwas versprechen, das er nicht einlösen kann. Dies führt zu Frustration.

 Stattdessen: Weniger Regulierung, mehr Möglichkeiten bei der Gestaltung.

Das Problem der mangelnden Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten sollte nicht auf die staatliche Ebene gehoben werden. Eher ist es eine Angelegenheit, die betriebsintern (beispielsweise in Betriebsvereinbarungen) und im Verhältnis zwischen Unternehmensführung und Mitarbeitern angesiedelt ist. Der Schwerpunkt sollte daher eher auf die Stärkung der Vertrauens- und Führungskultur in Unternehmen gesetzt werden. Statt einer weiteren Regulierung müssen also die Rahmenbedingungen, die Möglichkeiten bei der Gestaltung, verbessert werden. Denn die Unternehmen selbst werden langfristig aus Eigeninteresse mehr Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten schaffen, um Kreativitätspotenziale zu entfalten und den Arbeitsalltag stressfreier zu gestalten, um die Produktivität zu steigern und Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden.

 

Die vollständige interessante Diskussion im Radiointerview (Deutschlandfunk) u.a. mit Björn Böhning (SPD-Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium) und Dominik Enste (IW Köln) ist hier abrufbar.

Lena Suling
Lena arbeitet seit 2018 als Referentin in der IW Akademie. Sie studierte im Master Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Management/Marketing an der Universität Duisburg-Essen.