Junge Menschen blicken zunehmend besorgt in die Zukunft

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Das Vertrauen der jungen Generation in die Zukunft schwindet trotz globalem Wirtschaftswachstum und neuer Chancen dank der Digitalisierung immer weiter. Vor allem deutsche Millennials sind im Vergleich zu ihren internationalen Altersgenossen besonders skeptisch, wie der aktuelle Millennial Survey 2019 zeigt.

Die Einschätzungen zu den Zukunftsaussichten der Millennials und der Generation Z verzeichnen einen spürbaren Rückgang an Optimismus und haben sich zudem in den vergangenen zwei Jahren erheblich verschlechtert. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie (Deloitte, 2019), bei der insgesamt 16.400 junge Menschen der Generation Y und der Generation Z befragt wurden. Besonders kritisch äußerten sich dabei die rund 800 Befragten aus Deutschland. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der aktuellen sozialen und politischen Lage, sowie Digitalisierung und gesellschaftlicher Verantwortung (Birkhäuser, 2019).

 

Quelle: Deloitte, 2019 / Eigene Darstellung

 

Nur 13% der deutschen Millennials glauben, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten im kommenden Jahr verbessern werden. Im Vorjahr waren es noch 35%.

Auch die Generation Z blickt sorgenvoll in die Zukunft. Von ihnen glauben nur 14% (gegenüber 26% im internationalen Vergleich), dass sich die wirtschaftliche Situation verbessern wird und gerade einmal 7% haben eine optimistische Einstellung zu den politischen und sozialen Aussichten (18% weltweit). Tägliche Berichte über stetiges Wirtschaftswachstum und niedrige Arbeitslosenzahlen können die Skepsis nicht zerstreuen, denn die Gründe für diese pessimistischen Ergebnisse sind vielfältig (Rampe, 2019).

Zu den Hauptsorgen bei den Befragten zählen in diesem Jahr – nicht zuletzt durch die große Präsenz der weltweiten „Fridays for Future“ Bewegungen – der Klimawandel und Umweltschutz (30%) (Eick, 2019). Während im Vorjahr noch die Angst vor Terrorismus auf Platz 1 stand, beunruhigen in diesem Jahr zudem auch Kriminalität, Sicherheit und politische Instabilität. Dass sich „trotz globalen wirtschaftlichen Wachstums und zunehmender Möglichkeiten durch die Digitalisierung die jüngeren Generationen zunehmend besorgt über den Zustand der Welt und ihren Platz darin“ äußern, ist laut Nicolai Andersen, Leiter für Innovation bei Deloitte, ein deutliches Warnsignal. Sowohl Unternehmen als auch Politik müssen sich stärker auf die veränderten Bedürfnisse einstellen (Deloitte, 2019).

Was bedeuten die Ergebnisse also für Unternehmen?

Die zunehmende Relevanz von Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Bevölkerung ist auch längst in den Unternehmen angekommen. Die Forderung, dass sich Unternehmen aus ethischer Verantwortung um die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte bemühen sollen ist zwar nicht neu, ein „grünes“ Image wird aber auch bei der Suche nach neuem Personal immer wichtiger. Gerade für begabte Uniabsolventen und Berufsneulinge sind die Nachhaltigkeit des Arbeitgebers und eine gute Perspektive mittlerweile wichtiger als ein hohes Gehalt und Karrierestatus (Scheppe / Steinharter, 2019; Gronwald, 2019).

Dass die steigende Bedeutung des Nachhaltigkeitsgedanken und die Forderung nach „Coporate Social Responsibility“ sich nun auch zunehmend auf wirtschaftliche Handlungen auswirken, belegen die Zahlen der Deloitte Studie: Rund ein Drittel der Deutschen geben an, bei Geschäftsbeziehungen oder Konsumverhalten darauf zu achten, welche Auswirkungen die Produkte auf Umwelt und Gesellschaft haben. Zwar ist das Vertrauen, dass Unternehmen einen positiven Beitrag auf die Gesellschaft haben, in Deutschland leicht gestiegen, liegt aber immer noch deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt. Rund 75% der Befragten denken zudem, dass Unternehmen eher auf die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen fokussiert sind, als sich mit gesellschaftlichen Problemen zu befassen.

Dass Ende August 2019 nun Personen wie Apple-Chef Tim Cook und Amazon-Gründer Jeff Bezos zusammen mit weiteren hochrangigen Wirtschaftsmanagern in einer Nachhaltigkeitserklärung zur Abkehr vom Shareholder-Value auffordern, ist zwar nur ein kleiner Schritt auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft der Wirtschaft, jedoch können aus ihr weitere Folgen erwachsen. Und auch wenn es sich zunächst nur um eine Absichtserklärung handelt, zeigt es, dass der Nachhaltigkeitsgedanke auf höchstem Niveau immer weiter in die Wirtschaft vordringt (Hock, 2019 ; Becker, 2019).

 

 

Quellen:

Becker, Andreas, 2019, US-Bosse: Abkehr vom Shareholder Value?, https://www.dw.com/de/us-bosse-abkehr-vom-shareholder-value/a-50111488 [22.08.2019]

Birkhäuser, Sarah, 2019, Junge Leute haben kein Vertrauen in die Wirtschaft, https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/millennials-und-generation-z-junge-leute-haben-kein-vertrauen-in-die-wirtschaft/24588716.html [22.08.2019]

Deloitte, 2019, 2019 Deloitte Global Millennial Survey. Germany Results, https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/de/Documents/Innovation/deutscher-report-globale-millennial-survey-2019.pdf [22.08.2019]

Eick, Felix, 2019, Die Generation Z hat kein Vertrauen in die Wirtschaft, https://www.welt.de/wirtschaft/article196678315/Umfrage-Was-die-Generation-Z-von-der-Zukunft-erwartet-und-was-sie-fuerchtet.html [22.08.2019]

Gronwald, Simone, 2019, Studie zeigt: Das ist jungen Menschen bei der Jobwahl wirklich wichtig, https://www.stern.de/neon/vorankommen/karriere/ausbildungsreport–das-fordert-die-junge-generation-vom-arbeitsmarkt-8825910.html [22.08.2019]

Hock, Martin, 2019, Eine Chance für die Zukunft, https://www.faz.net/aktuell/finanzen/nachhaltigkeit-in-der-wirtschaft-abschied-vom-shareholder-value-16342662.html [22.08.2019]

Rampe, Henrik, 2019, Die Generation Z ist so pessimistisch wie nie zuvor, https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/deloitte-studie-die-generation-z-ist-so-pessimistisch-wie-nie-zuvor-176066 [22.08.2019]

Scheppe, Michael / Steinharter, Hannah, 2019, Hip und Grün – Unternehmen setzen verstärkt auf Nachhaltigkeit, https://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/karriere-hip-und-gruen-unternehmen-setzen-verstaerkt-auf-nachhaltigkeit/24904874.html?ticket=ST-4902989-IdMR6wgDJpjvQMPZEkSY-ap4 [22.08.2019]

Lukas Schlösser
Lukas arbeitet als studentischer Mitarbeiter im Kompetenzfeld Verhaltensökonomik und Wirtschaftsethik des IW Köln. Er studiert derzeit Volkswirtschaftslehre im Master an der Universität in Bochum.