Vertrauen in Mitmenschen lohnt sich

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Generalisiertes Vertrauen in Mitmenschen ist gerade in Krisenzeiten wichtig. Wenn Vertrauen fehlt, sind Kontrollen und Sanktionen notwendig, die wiederum Transaktionskosten verursachen. Außerdem richten sich Kontrollmaßnahmen an alle Menschen, auch wenn nur wenige Fehlverhalten zeigen.

IW-Report Nr. 51 vom 16.10.2020 / Dominik Enste, Lena Suling und Inga Schwarz

„Wer nicht genügend vertraut, wird kein Vertrauen finden“ soll Laotse vermutlich 6. Jh. v. Chr. gesagt haben. „Vertrauen ist die Hühnersuppe des sozialen Lebens“, so beschreibt Uslaner (2002, 1) den Wert von Vertrauen für unsere alltäglichen sozialen Interaktionen. Hühnersuppe soll die Gesundheit stärken, Vertrauen die Gesellschaft: Es ist gewisser Maßen der soziale „Kitt“, der Bürger und Staat zusammenhält. Es schafft Bindungen innerhalb der Gesellschaft und stärkt implizite Verhaltensregeln und Normen, die das tägliche Miteinander vereinfachen (Sell/Wiens, 2009). Uslaner drückt mit der Metapher aus, dass Vertrauen viele positive Aspekte hat, wie beispielsweise eine erhöhte Bereitschaft sich in der Gesellschaft zu engagieren, mehr wirtschaftliches Wachstum und Erfolg, mehr Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Dem Vertrauen kommt also eine wichtige Schlüsselrolle als gesellschaftliche Ressource und Prädiktor für ein erfolgreiches und glückliches Leben jedes Einzelnen zu. „Vertrauen ist der Anfang von allem.“ Mit diesem Slogan warb die Deutsche Bank sehr lange um ihre Kunden. Vertrauen ist aber nicht nur aus ökonomischen Gründen wichtig, weil es hilft Transaktions- und Kontrollkosten einzusparen oder überhaupt erst ein Geschäft anzubahnen. Menschen, die Vertrauen (können), sind auch zufriedener mit ihrem Leben.

Das Jahr 2020 hat die Menschen und ihr Vertrauen sowohl in die Regierung als auch in die Mitmenschen auf die Probe gestellt. Zwar sind die Voraussetzungen in Form einer hohen Vertrauensbasis in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft in Deutschland gut (Enste/Suling, 2020), aber die Corona-Pandemie sorgt für große Verunsicherung. Das Fehlverhalten einiger weniger sorgt dafür, dass der Staat statt auf Vertrauen in die Mitmenschen und deren vernunftbegabtes Handeln auf Verbote, Strafen und Kontrollen setzt. Darüber hinaus verunsichern die Menschen Globalisierung, Digitalisierung und Diversifizierung zusätzlich. Dadurch kommt dem zwischenmenschlichen, vor allem dem generalisierten Vertrauen in die Mitmenschen, eine noch größere Bedeutung zu (Stolle, 2002). Woher kommt Vertrauen, wie entsteht es und welche Folgen hat es? In zwei Reports haben wir uns bereits mit Vertrauen auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene (Enste/ Suling, 2020) und mit Vertrauen in Unternehmen und dessen Auswirkungen (Enste et al., 2020) befasst. Hier geht es deshalb um das grundsätzliche Vertrauen auf der Individualebene und in unsere Mitmenschen.

Zum Report: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2020/IW-Report_2020__Vertrauen_in_Mitmenschen.pdf

 

 

 

Enste, Dominik H. / Kürten, Louisa / Schwarz, Inga, 2020, Vertrauen in Unternehmen. Die Bedeutung von Vertrauen in Krisenzeiten, IW-Report, Nr. 45, Köln

Enste, Dominik H. / Suling, Lena, 2020, Vertrauen in Wirtschaft, Staat, Gesellschaft 2020. Vertrauensindex: Europäische Länder im Vergleich, IW-Policy Paper, Nr. 5/2020, Köln

Sell, Friedrich L. / Wiens, Marcus, 2009, Warum Vertrauen wichtig ist — Der ökonomische Blickwinkel, in: Wirtschaftsdienst, 89. Jg., Nr. 8, S. 526–533

Stolle, Dietlind, 2002, Trusting strangers – The concept of generalized trust in perspective, in: Austrian Journal of Political Science, 32. Jg., Nr. 4, S. 397–412

Uslaner, Eric M., 2002, The moral foundations of trust, Cambridge, New York

Lena Suling
Lena arbeitet seit 2018 als Referentin in der IW Akademie. Sie studierte im Master Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Management/Marketing an der Universität Duisburg-Essen.