Verhaltensökonomik und Führung

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Viele Unternehmen tun sich schwer damit, Changeprozesse erfolgreich abzuschließen. Gute Führung sowie das Wissen, wie der ‚Mind-Behavior-Gap‘ bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern überwunden werden kann, sind Voraussetzungen für erfolgreiche Mitarbeiter- und Unternehmensführung. Die Verhaltensökonomie kann dabei helfen.

1. ‚Mind-Behavior-Gap‘ erkennen, Barrieren identifizieren und überwinden

Die Verhaltensökonomik untersucht die sogenannte Mind-Behavior-Gap, die dann auftritt, wenn Menschen sich nicht entsprechend ihren Intentionen verhalten. Wenn ein Plan nicht in die Tat umgesetzt wird, dominiert meist das intuitive System die Entscheidungsfindung und wird von Barrieren behindert. Diese können kognitiven (z. B. Gewohnheiten), situationsbedingten (z. B. Entscheidungsmüdigkeit oder Informationsüberlastung) oder umweltbedingten (z. B. das soziale Umfeld) Ursprung haben. Der erste Schritt, um die Mind-Behavior-Gap zu umgehen ist, die Trigger Punkte des intuitiven Systems und die aktiven Barrieren wahrzunehmen. Mit dem Wissen über die Wirkung des intuitiven Systems, können dann Strategien entwickelt werden, mit denen das reflektierte System die Entscheidungsfindung übernimmt und neue, nachhaltige Gewohnheiten etabliert.

2. Verhaltensmuster erkennen und Führungsstil anpassen

Mit einer Fünfer-Typologie können spezifische Verhaltensmuster erfasst und kategorisiert werden, um den passenden Führungsstil und das effektivste Managementtool zu finden. Abhängig von Kontrollüberzeugung und Barrieren, sind mal Ansätze der transformationalen, mal der transaktionalen Führung geeigneter für den Erfolg. Des Weiteren kann jedem Typ ein Managementinstrument zugeordnet werden: So wird der planende Typ am besten durch klare Zielsetzung unterstützt, während der loyale Typ verlässliche und glaubwürdige Kommunikation benötigt. Mit einer mitarbeiterorientierten Führung lassen sich Mind-Behavior-Gaps überwinden.

3. Mit der Vorbildfunktion gegen Mind-Behavior-Gaps

Gute Führung kann erlernt und weiterentwickelt sowie mit Erkenntnissen der Verhaltensökonomie verbessert werden. Die Vorbildfunktion umfasst das glaubwürdige Vorleben der Organisationskultur mit hohen ethischen Standards, einer Vertrauenskultur, und gibt den Raum für ‚´trial and error‘. Voraussetzung für gute Mitarbeiterführung ist, dass sich die Führungskraft ihrer eigenen Mind-Behavior-Gaps, Habits und Heuristiken bewusst ist.

An mehr Informationen interessiert? Hier geht es zum vollständigen Report: Dominik Enste / Sarah-Nell Altenhöner: Behavioral Economics and Leadership – How to bridge the Gap between Intentions and Behavior

Dominik H. Enste
Prof. Dr. Dominik H. Enste hat nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Köln, Dublin und Fairfax (Virginia) studiert (Diplom) und zu wirtschaftsethischen Themen promoviert (Dr. rer. pol). Nach einigen Jahren in der Finanz- und Versicherungsbranche wechselte er 2003 zum Institut der deutschen Wirtschaft Köln und ist seit 2011 dort Leiter des Kompetenzfeldes Verhaltensökonomik und Wirtschaftsethik. Seit 2012 ist er außerdem Geschäftsführer der IW Akademie GmbH und zugleich seit 2013 Professor für Wirtschaftsethik und Institutionenökonomik an der Technischen Hochschule Köln und Dozent an der Universität zu Köln.